Qualifizierung für die Arbeit mit „hochstrittigen“ Konflikten

Mit dem Anspruch „aus der Praxis für die Praxis“ bietet VIA auf der Basis langjähriger Erfahrungen einen profunden Einblick in die mitunter ziemlich befremdende Welt sogenannter „hochstrittiger“ Konflikte. Die Betrachtung einzelner Phänomene, die aus unserer Sicht „Hochstrittigkeit“ ausmachen, bildet den Ausgangspunkt für die Suche nach passenden Haltungen und Handwerkszeugen.

 

Der „hochstrittige“ Konflikt ist anders

Er konfrontiert die Akteure aus allen Trennungs,- und Scheidungsprofessionen mit einem inner-psychischen und zwischen-menschlichen Ausnahmezustand. Bei der Erkundung des Hoch-Konflikts hat sich die Unterscheidung dreier Betrachtungsebenen als überaus hilfreich erwiesen:

  • Innenwelt“. Auf dieser Betrachtungsebene geht es um das Persönliche im (Hoch-)Konflikt. Die Erlebens- und Handlungsmuster des Einzelnen stehen im Mittelpunkt. So spielen seitens der Konfliktparteien wechselseitige Verrücktheitserklärungen oft eine große Rolle, aber auch professionelle Akteure sind bei sog. „hochstrittigen“ Konflikten sehr schnell mit psychologisch-psychiatrischen Erklärungen bei der Hand. Wir sehen nicht Krankheit, sondern die aus der Eskalation resultierende persönliche innere Not als den entscheidenden Schlüssel zum Verständnis der besonderen psychischen Verfassung in „hochstrittigen“ Konflikten.
  • Zwischenwelt“. Damit ist die aufgeheizte Interaktions-Dynamik zwischen den Konfliktparteien gemeint. Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen symmetrischen Konflikten mit ihrem sich steigernden Gleichgewicht des Schreckens und jenen asymmetrischen Konflikten mit ihren höchst ungleichen Machtverhältnissen, in denen ein/e Machthaber*in die inferiore Seite mit allen Mitteln dominiert und kontrolliert.
  • Außenwelt“. Auf dieser Ebene wird das ausgeweitete Konflikt-System mit seiner Vielzahl von Beteiligten aus dem privaten und professionellen Umfeld in den Blick genommen. Nicht zuletzt stehen hier die Akteure aller Trennungs,- und Scheidungsprofessionen mit ihrem (Nicht)Handeln sowie der Art und Weise Ihrer (Nicht)-Kooperation im Blickpunkt. Es wäre ein Kunstfehler, im Hochkonflikt nur auf die beiden Kontrahenten und ihr Handeln zu schauen ohne die möglichen Beiträge der Institutionen zur Aufrechterhaltung oder gar Verschlimmerung des Hochkonflikts kritisch in den Blick zu nehmen.

 

Die Arbeit mit „hochstrittigen“ Eltern ist anders

„Hochstrittige“ Elternkonflikte stellen andere Anforderungen an die professionellen Akteure im Vergleich zu „normalen“ Trennungskonflikten, bei denen die Eltern nach der akuten Trennungskrise oft schon recht bald zu einer Befriedung ihres Paarkonflikts und zu einer Verständigung auf der sogenannte Elternebene mit Blick auf die Bedürfnisse des Kindes finden.
Je weiter jedoch die Eskalation fortgeschritten ist und je verhärteter ein Konflikt ist, desto wichtiger wird eine konfrontierende und Grenzen setzende Haltung. Diese ergänzt das notwendige Wissen und Verstehen der individuellen Not des Einzelnen und der destruktiven Dynamik zwischen den Konfliktparteien.

„Hochstrittigkeit“ als Chiffre für rasant sich beschleunigende Konflikteskalationen – Notwendigkeit von HALT

 

Kooperation als Grundhaltung

Aufgrund der Intensität eskalierter Elternkriege geraten professionelle Akteure leicht an die eigene Belastungsgrenze und an die Grenze ihrer eigenen Handlungsmöglichkeiten. Die Frage nach der Notwendigkeit eines Handelns im Verbund mit den anderen beteiligten Professionen zur Eindämmung des alles überflutenden Hochkonflikts drängt sich auf. Die Kooperation der professionellen Akteure ist ein weiteres Schlüsselthema in der Arbeit mit „hochstrittigen“ Elternkonflikten.

 

„Hochstrittigkeit“ und Kinderschutz

Gerade im Hinblick auf die Kinder, die mit zunehmender Eskalation aus dem Blick ihrer zerstrittenen Eltern geraten, wird die Herstellung eines begrenzenden und HALT-gebenden Rahmens zu einer zentralen Aufgabe für die professionellen Akteure. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach angemessenen Formen der (unmittelbaren) Beteiligung der Kinder. In Fällen, in denen Eltern ihre Kinder im Zuge der Eskalation zunehmend aus dem Blick verlieren, wird die Kooperation der professionellen Akteure u.U. zu einer gemeinsamen Kinderschutz-Aufgabe.

 

VIA bietet unterschiedliche Formate zur persönlichen und konzeptionellen Weiterentwicklung im Hinblick auf den Themenkomplex Trennung, Scheidung, „Hochstrittigkeit“, Partnerschafts-Gewalt, Gewalt im Kontext von Trennung.

 

(1) Weiterbildung für Fachkräfte im Feld „Hochstrittigkeit“

Ein drei-tägiger Grundkurs wird ergänzt durch einen nachfolgenden Praxis-Reflexionstag
Thematische Schwerpunkte sind:

  • Aufgabenvielfalt und misslingende Differenzbalance im Zusammenleben als Paar und in Familie als Risikofaktoren für die Entstehung von „Hochstrittigkeit“
  • Dynamik und zentrale Wesensmerkmale von hochstrittigen Eltern-Konflikten
  • Das 3-stufige Eskalationsmodell als Werkzeug für eine realistische Einschätzung des (hochstrittigen) Konflikts und Ausgangspunkt für die Entwicklung von angemessenen Haltungen und Handwerkszeugen in der Beratung
  • Verstehende und konfrontierende Haltungen – das Modell HALT!!! mit einzelnen Handwerkszeugen
  • Gestaltung des Beratungs-Prozesses
  • Settingwahl (wann sind Einzel,- wann gemeinsame Gespräche das Mittel der Wahl?
  • Formen der Gesprächsführung
  • Der Umgang mit „mächtigen Geschichten“
  • Die Situation der Kinder zwischen den Fronten
  • Umgangsverweigerung von Kindern
  • Elternentfremdung und Verfügungsgewalt durch den hauptsächlich betreuenden Elternteil
  • Die Kooperation der professionellen Akteure und Institutionen als Haltung und Strategie in der Arbeit mit hoch strittigen Eltern – oder: Kooperation, damit die Eltern nicht verloren gehen auf dem „langen“ Weg vom Gericht über das Jugendamt in die Beratungsstelle
  • „Fall“-Verstehen von chronischen Elternkriegen und szenisches Verstehen konkreter Konflikt-Situationen

 

(2) Inhouse-Schulungen

Diese sind mit ihren Inhalten auf die speziellen Bedarfe und Fragestellungen von Fach-Teams aus Beratung, Gericht, Jugendamt und Arbeitskreisen in ihrem jeweiligen regionalen Kontext zugeschnitten.

 

(3) Professionsübergreifende Veranstaltungen und Fortbildungen

Dieses Format ist besonders geeignet, um sich gemeinsam mit den Vertreter*innen anderer Professionen dem Gegenstand „Hochstrittigkeit“ anzunähern. Daran anschließend spielen Überlegungen zu hilfreichen Haltungen und Handwerkszeugen für die einzelnen professionellen Kontexte und das große Thema Kooperation der unterschiedlichen Professionen eine wichtige Rolle. Die Ausgestaltung der Schnittstellen steht besonders im Fokus.

 

(4) Konzeptionsentwicklung

Dieses Angebot richtet sich an die freien Träger von Beratungsstellen / Sozial-pädagogischer Familienhilfe in ihrer Rolle als Anbieter von speziellen Dienstleistungen im Bereich Trennung und „Hochstrittigkeit“ und an die öffentlichen Träger der Jugendhilfe in ihrer Funktion als Auftraggeber von Hilfe-Maßnahmen in diesem Aufgabenfeld.

VIA begleitet Prozesse zur Entwicklung eines abgestimmten Portfolios einander sinnvoll ergänzender Angebote und Maßnahmen im Bereich Partnerschaftskonflikte, Trennung / Scheidung und „Hochstrittigkeit“ wie z.B. Paarberatung, Mediation, Emotions-Coaching für „hochstrittige“ Eltern, konflikt-regulierende Beratung, gerichtsnahe Beratung, angeordnete Beratung (nach § 156 FamFG), Begleiteter Umgang, psycho-edukative Elterntrainings und Gruppenangebote (wie z.B. „Kinder-im-Blick“), Trennungskinder-Gruppen …

Die Entwicklung eines Gesamt-Pakets von Maßnahmen eines Trägers, findet immer unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten, sprich der bereits etablierten Maßnahmen und den (personellen und finanziellen) Möglichkeiten für Neues statt.

 

(5) Supervision zu „Hochstrittigkeit“

VIA bietet auch Supervision, die speziell auf das Thema „hochstrittige“ Konflikte ausgerichtet ist.
Falls Sie an mehr Informationen zur Supervision bei „Hochstrittigkeit“  interessiert sind, finden Sie diese hier.

 

 

 

Themenschwerpunkte, Arbeitsformen, Medien in den Veranstaltungen von VIA

VIA bietet, zeigt, macht, schaut auf :

  • theoretische Inputs zum Gegenstand „Hochstrittigkeit“ und seinen unterschiedlichen Phänomenen u.a. das dreistufige Eskalationsmodell (Alberstötter)
  • Menschen-Bilder verschiedener therapeutischer Denkschulen und Philosophien – Ego-State-Therapie, Hypno-Therapie, Narrative Theorie, Systemtheorie und Systemische Therapie, Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) und ihr Nutzen in der Übertragung auf das Problem „Hochstrittigkeit“.
  • Bausteine aus der „Trennungskunde“
    (Rechtlicher Rahmen, gesellschaftliche Veränderungen in der Sicht von Vater,-Mutter,-Elternschaft, veränderte Sichtweisen zu Trennung, Scheidung und „Hochstrittigkeit“ …), Unterscheidung von verschiedenen Trennungstypen, Betreuungsmodelle nach Trennung, Lebensformen nach Trennung …)
  • praktische Übungen und Rollenspiele
  • Demonstrationen zu unterschiedlichen Grund-Haltungen und zur Anwendung spezieller Handwerkszeuge
  • die Arbeit mit Metaphern und konfrontierenden Bildern
  • die Timeline-Arbeit als eine Form der Würdigung der Vergangenheit in einer komprimierten Form
  • Geschichten als Botschafter für neue Sichtweisen
  • Gesprächsführung orientiert am Modell „HALT!!!“ – zwischen Empathie, Anerkennung und Konfrontation / Grenzsetzung
  • Überlegungen zur Gestaltung des Beratungsprozesses mit den Eltern
  • Überlegungen zur Einbeziehung von Kindern
  • Situation des Kindes zwischen den Fronten – Kindliches Erleben, kindliche Logik und Sprache im Eltern-Konflikt
  • Kritische Reflexion des rechtlichen Leitbegriffs Kindeswille
  • Kooperation als unerlässliche Haltung und Strategie bei „Hochstrittigkeit“
  • Lernen an konkreten Fallbeispielen
  • Szenisches Verstehen konkreter Konflikt-Situationen
  • Aufstellungen, Skulpturen, um Inhalte sichtbar und erlebbar zu machen
  • Beispiele aus der Kunst (Literatur, Film) zur Illustration der verschiedenen Facetten von „Hochstrittigkeit“
  • Selbst,- und Körpererfahrungselemente – nicht zuletzt im Hinblick auf die notwendige Selbstfürsorge in der Hochkonflikt-Arbeit
„Die Schwierigkeit ist nicht, neue Ideen zu finden, sondern den alten zu entkommen.“ John Maynard Keynes